Der Tick mit der Ästhetik

Ästhetik ist mir viel wichtiger, als mir lieb ist.

Sich bewusst ästhetisch zu inszenieren ist eine furchtbar unsympathische Eigenschaft. Und doch merke ich, dass ich dann und wann genau das tue und mir selbst dabei gefalle. Ich verstehe mich selbst einfach nicht, finde mich selbst widersprüchlich.

Wie kann ich mein Verhalten denn gut finden, wenn ich es bei anderen verachte? In anderen Belangen (jenseits der Ästhetik) ist mir nie so etwas widersprüchliches an mir aufgefallen.

Ein äußerst ästhetischer Wasserkran, der sich erst elegant in die Höhe streckt, bevor er sich durch einem markanten Knick in horizontale Ausrichtung begiebt. (edit: Im Nachhinein ist mir diese Albernheit hier das Bild eines Wasserkrans reinzustellen fast unangenehm, aber ich lass es erst einmal da. Was solls!)

– – –

Aber das macht doch nichts! Die Erlebnisse waren doch echt! – Rainald Grebe

– – –
Blogge ich eigentlich aus Eitelkeit? Abwegig ist der Gedanke ja nicht.
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11 responses to this post.

  1. Bloggen als ein „sich bewusst ästhetisches Inszenieren“ …? Oder: Über-sich-selbst-Bloggen? Oder …?

    Antwort

  2. So weit hatte ich nun gar nicht gedacht, dieses Inszenieren aufs Bloggen zu beziehen. Es bezog sich hier eher auf den Alltag. Zum Beispiel auf das Auftreten in der Bibliothek, in der ich zwangsweise zur Zeit häufiger bin.
    Beim Bloggen ist mir die Ästhetik wurscht; auch wenn ich das Gewandt des Blogs gestern geändert habe. Wozu sollte ich mir hier verstellen? Es ist ja mein Tagebuch (oder so etwas ähnliches). Bei aderen Blogs mag das natürlich zutreffen.

    Antwort

  3. Posted by Lisbeth on 26. Februar 2012 at 17:17

    „Wie kann ich mein Verhalten denn gut finden, wenn ich es bei anderen verachte?“ Hmmm…darüber denke ich gerade nach, weil es mir manchmal ähnlich geht. Tja…ich glaube ich weiß die Antwort, aber ich kann sie nicht in Worte fassen. Eigentlich sind wir Menschen gar nicht so verschieden, wie wir manchmal denken, überlege ich gerade so bei mir.

    Ich liebe das Tocotronic-Zitat auf deiner „Über mich“-Seite. 😉

    Liebe Grüße!

    Antwort

  4. Hi Lisbeth,
    hab mich sehr über den Kommentar gefreut.
    Wenn du wirklich eine Antwort darauf hast, würd ich mich sehr freuen, wenn dus mir verrätst. =) Vielleicht trifft es dann ja auch auf mich zu.

    Antwort

    • Posted by Lisbeth on 28. Februar 2012 at 18:27

      Hmm…tja. Ach, die Antwort ist unspektakulärer als man annehmen mag, grins. Ich glaube, wir selbst lassen uns einfach viel mehr durchgehen – vielleicht ist das auch reiner Selbstschutz, um nicht durchzudrehen. 😉
      Wir selbst können unsere Beweggründe nachvollziehen, nach-fühlen – aber sobald wir nur noch die Handlung sehen und nicht mehr die inneren Beweggründe (eben bei anderen) FÜHLEN, hörts auf mit dem Verständnis…so in etwa… Obwohl das eigentlich ziemlich blöde ist von uns Menschen, nicht wahr? Wir sind halt…komisch, grins… Ach, ich glaube, das hat ganz viel mit Kopf vs. Herz zu tun. 😉
      Hihi, hoffe das war jetzt nicht zu…verwirrend.
      LG!

      Antwort

  5. Posted by zartbitterdenken on 3. März 2012 at 15:40

    ich denke es liegt daran, dass wir das Verhalten anderer objektiv betrachten können uns so irrationales Verhalten leichter enttarnen als bei uns selbst. Was unser eigenes Verhalten angeht sind wir befangen, man benötigt immer einen Außenstehenden zur Reflexion. Und unsere eigenen dummen Marotten fallen uns auch erst auf, wenn wir sie an jemand anders von außen betrachten können.

    Antwort

    • Posted by mercfalk on 5. März 2012 at 23:56

      Vielleicht liegt es aber manchmal weniger daran, dass wir den anderen objektiver betrachten können. In diesem Fall könnte es doch einfach liegen, dass wir den anderen eben nicht so sehr im Detail sehen können, wie uns selbst.
      Was ist, wenn der Mensch, an dem wir diese Eigenschaft verachten, ebenso ist wie man selbst? Was ist, wenn er eitel auf die ästhetische Inszenierung seiner Selbst achtet, während er sich beim reflektierten Betrachten unwohl in seiner eigenen Haut fühlt, da er ein solches Verhalten bei anderen nicht leiden kann?

      Antwort

  6. Posted by mercfalk on 5. März 2012 at 23:54

    Ist nicht das Hinterfragen des eigenen Strebens nach Ästhetik schon Eitelkeit?
    Worauf zielt die Frage?
    Ein Blog zu schreiben, in den man sich selbst einbringt, hat meines Erachtens nach immer etwas mit Eitelkeit zu tun. Doch dies ist nicht negativ gemeint, denn gerade die Eitelkeit kann doch dazu beitragen, dass man sich mehr Mühe mit einer Sache gibt. Zum anderen ist es wichtig, was im Vordergrund steht. Es macht nicht den Anschein, als ob die Lobpreisung deiner Person im Mittelpunkt dieses Blogs stehe, vielmehr geht es um „Grosse Gedanken“, um eine Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Gesellschaft, um eine Interaktion des ich sehe dies so, wie seht ihr es (?).
    Also keine Sorge, das Blog ist so eitel, wie es eitel sein muss.

    Es ist alles eitel

    Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
    Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
    Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,
    Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden;

    Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
    Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
    Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
    Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

    Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
    Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
    Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,

    Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
    Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder find’t!
    Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

    Andreas Gryphius

    Ist die Suche nach Ästhetik gleich Eitelkeit?

    Antwort

  7. Vielen Dank für die vielen Kommentare. Scheinbar bin ich nicht der einzige, den dieses Thema beschäftigt.
    Es sind wirklich eine ganze Reihe interessanter Ideen dabei. Darum werde ich in den nächsten Tagen wohl noch einmal einen Artikel zu dem Thema schreiben und eure Kommentare sozusagen kommentieren. 🙂 Mal sehen, ob ich noch einmal schlauer aus mir werde…

    Antwort

  8. Ich hab jetzt selbst auch ein bisschen recherchiert und bin bei Kierkegaard fündig geworden: der versteht das ästhetische Stadium, in dem man gefangen in Äußerlichkeiten latent unglücklich existiert, im Augenblick lebt und nach Genuss strebt, als notwendige Vorstufe zum ethischen, in dem man sich als transzendentes Wesen erkennt …. Bleibt man im ersten Stadium und beginnt auch Negatives zu Ästhetisieren, so wird man von Eitelkeit bestimmt. – Falls ich das richtig verstanden habe. (das letzte Stadium ist übrigens lt Kierkegaard das religiöse) … naja. Bin gespannt auf deinen angekündigten Text.

    Antwort

  9. […] höchstselbst « Der Tick mit der Ästhetik […]

    Antwort

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