Archive for the ‘Tagebuch’ Category

Die Mauern kamen langsam

Wenn die richtigen Worte eine schöne Stimme finden (oder andersrum):

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Du glaubst, dass eine Welt, die vor einderhalb Sekunden noch alles an Dir verneinte, mal eben so privat erschlossen werden kann. Und jetzt scheiterst Du, jetzt scheiterst Du eben alleine.

Luxusprobleme

Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn’ ich mich aus. Otto Grünmandl

Dieser eine Satz beschreibt mein Leben erstaunlich gut.

In den nächsten Wochen habe ich ein wichtiges politisches Statement zu machen. Vielleicht das wichtigste in meinem Leben. Eine berufliche Richtung und die damit verbundene gesellschaftliche Position wählen!

Am liebsten stünde ich am Rande der Gesellschaft. Zum Beispiel in der Wissenschaft oder in den Medien. Als Teil des Systems – so abstrakt das auch klingen mag – kann ich mich zur Zeit einfach nicht sehen. Rainald Grebe ist ein sehr feiner Mensch. Nur bin ich mir nicht sicher, ob mir seine Lieder gerade helfen oder mich bloß deprimieren.

Wähle eigentlich nur ich diese Position bewusst?

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Es gibt auf youtube einen Aufritt von Rainald Grebe in einer (der?) NDR-Talkshow. Herr Grebe sitzt zunächst in einer Gruppe saufender und fressender (anders kann man es nicht ausdrücken) verzogener Gäste. Es werden ein paar uninteressante (und offensichtlich schlecht vorbereiteter) Fragen gestellt, bis der gelangweilte Gast ans Klavier entfliehen kann. Ganz zum Schluss spielt er das Lied „Oben“ an, bei dem aus der Perspektive eines Reichen über Luxusprobleme gesprochen wird – vermutlich um die dekadenten Runde ein wenig aufzumischen. Und wie reagiert die Moderatorin? Sie fühlt sich angesprochen („Das ist meine Geschichte!“). Selten habe ich so eine großartige Realsatire gesehen.

Wenn ich die Talkshow-Runde betrachte, wird mir wieder ganz übel. Diese konsumierenden Vollidioten mit ihren verschlossenen Gesichtern. Und genau diese Situation, in der sich Rainald Grebe befindet, habe ich schon viel zu oft am eigenen Leibe erfahren.

Das Video gibt es hier. Das Lied „Oben“ gibt es hier.

Nächtliche Gassen

Leicht berauscht ziehe ich nach dem Umtrunk durch die nächtlichen Gassen dieser Stadt. Vorbei an denen, die sich den Alltag in der Disco vom Leibe schütteln oder im Alkohol ertränken. Weiter zu den Hipstern, die krampfhaft versuchen alternativ im Kollektiv zu sein. Und zum Glück auch heil vorbei an den Pöblern, die aber immerhin noch Wut haben.

Weltekel überkommt mich. Und die Einsicht: Ich weiß es doch auch nicht besser!

How To: Atheisten sachgerecht Entsorgen – Die Mühlstein-Alternative

Wer von der Quantenphysik nicht schockiert ist, der hat sie nicht verstanden! – Niels Bohr

Wer von der Bibel nicht schockiert ist, der hat sie nicht gelsen! – Senfzettel

Es ist nun schon über 10 Jahre her, da antwortete mir der Dorfpastor auf die Frage, warum denn das Christentum die einzig wahre Religion sei, mit der einfachen Antwort: „Das Christentum ist die Religion der Liebe!“ Damals hat mir das eingeleuchtet und ich habe nicht einmal gelacht darüber. Wenn man Christen auf die offensichtliche Brutalität in der Bibel anspricht, dann ist die gängige Antwort: „Ja, für das alte Testament stimmt das schon. Aber dann kam Jesus und brachte die Liebe auf die Welt zurück.“ Aha. Dann mal hier eine meiner Lieblingsstellen (Lukas 17):

Jesus wandte sich wieder seinen Jüngern zu, den Männern und Frauen, und sagte zu ihnen: >>Es ist unvermeidlich, dass Menschen an mir irrewerden. Aber wehe dem, der dazu beiträgt! Es wäre besser für ihn, er würde mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen, als dass er auch nur einen dieser kleinen, unbedeutenden Menschen, die zu mir halten, an mir irremacht.<<

Da wird mir gleich ganz warm ums Herz bei so viel Liebe und Toleranz. Wenn ich dann noch bedenke, dass die Stelle aus der Übersetzung „Gute Nachricht“ kommt, dann, ja dann… bin ich doch leicht verwundert. Wenigstens ein Hinweis für Kinder („Bitte nicht zu Hause nachmachen!“) wäre doch angebracht.

 

Manchmal finde ich es schon sehr komisch, dass meine Familie an eine Religion glaubt, die mich nach dem Tod in der Hölle sieht. Und trotzdem probieren sie nicht mich zu bekehren. Dass ich regelmäßig zum Zahnarzt gehe ist ihnen wichtiger. Und da muss man mal die Relationen sehen: „Karies“ gegen „unendlich lange in der Hölle schmoren“.

 

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Nachtrag:

In den Kommentaren ging es viel um die Interpretation der Jesus-Geschichten. Wer sich damit weiter beschäftigen will, der sollte sich unbedingt die „Jesus Christus Erlöser“-Darstellung von Klaus Kinski anschauen. In diesem Video steckt so viel Interessantes und ist von der Art her einfach mitreißend. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen; es ist besser das Video einfach auf sich wirken zu lassen.

Link: http://www.youtube.com/watch?v=jF7r2qieaYA

Der Tick mit der Ästhetik, Teil 2

In den letzten Tagen hatte ich so viel zu tun, dass ich über das Thema gar nicht groß nachgedacht habe. Manche Dinge sind für mich nur dann relevant, wenn ich die Zeit dazu habe. Manche Sehnsüchte ergeben sich nur aus Langeweile. Dass sie deshalb weniger wichtig für mich sind, möchte ich aber nicht behaupten!

Rafaels Kommentare zu meinem letzten Artikel hat mir etwas geholfen. Seiner Meinung nach kann der Widerspruch dadurch aufgelöst werden, dass wir von anderen nur die Fassade sehen. Wir also nicht die wahren Beweggründe sehen können, und somit auch gar kein Verständnis aufbringen können.

„Ist nicht das Hinterfragen des eigenen Strebens nach Ästhetik schon Eitelkeit?“, fragt Rafael dann weiter. Und klar hat er damit recht. Und natürlich strotz dieses Blog vor Eitelkeit. Ich kann aber nicht so leicht wie du sagen, dass mir das gefällt. Ja, genau, eigentlich fühle ich mich gar nicht wohl dabei zu Bloggen. Eigentlich… Aber eigentlich gefällt es mir auch sehr gut. Es gibt diesen Widerspruch in so vielen Dingen bei mir. Und es hat mit Ästhetik und Eitelkeit zu tun. Aber so recht habe ich es noch immer nicht verstanden.

Eine interessanter Kommentar kam auch aus dem Inland von aufZehenspitzen. Danke für den Tipp, mal etwas über Kierkegaard zu lesen. Was bei wikipedia übers Ästhetische Stadium steht kann ich noch gut nachvollziehen, danach hörts aber auch schon auf. Von Transzendenz und einem Gott möchte ich nichts wissen. Ich will hier in dieser Welt klarkommen und Richtung Himmel streben.

Danke auch für die anderen Kommentare. 🙂

… to be continued. Maybe.

Der Tick mit der Ästhetik

Ästhetik ist mir viel wichtiger, als mir lieb ist.

Sich bewusst ästhetisch zu inszenieren ist eine furchtbar unsympathische Eigenschaft. Und doch merke ich, dass ich dann und wann genau das tue und mir selbst dabei gefalle. Ich verstehe mich selbst einfach nicht, finde mich selbst widersprüchlich.

Wie kann ich mein Verhalten denn gut finden, wenn ich es bei anderen verachte? In anderen Belangen (jenseits der Ästhetik) ist mir nie so etwas widersprüchliches an mir aufgefallen.

Ein äußerst ästhetischer Wasserkran, der sich erst elegant in die Höhe streckt, bevor er sich durch einem markanten Knick in horizontale Ausrichtung begiebt. (edit: Im Nachhinein ist mir diese Albernheit hier das Bild eines Wasserkrans reinzustellen fast unangenehm, aber ich lass es erst einmal da. Was solls!)

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Aber das macht doch nichts! Die Erlebnisse waren doch echt! – Rainald Grebe

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Blogge ich eigentlich aus Eitelkeit? Abwegig ist der Gedanke ja nicht.

Life with humor is awesome

Comic by Selcuk Erdem.

Galgenhumor ist immer gut. Ich fühle mich auch gerade wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte. Morgen steht eine recht wichtige Prüfung an und ich verstehe kaum etwas vom Stoff. Doch statt den Abend fürs Lernen zu nutzen, verbringe ich Zeit mit diesem dubiosen Blog.
Der Tag vor einer Prüfung ist für mich immer anstrengend. Ich lerne weder effizient noch ruhe ich mich aus. Stattdessen schaue ich immer mal wieder in meine Materialen und erschrecke mich, wie wenig ich doch weiß. Aber ich nehm’s mit Humor. Und ab morgen wird sicher alles besser.

 

edit: Am Ende ist man immer schlauer. Die Prüfung hab ich erst im zweiten Anlauf bestanden und zwischendurch den Humor verloren. Die großen Worte, die ich hier schwinge sind eben doch nur eines: Worte!